Geschichte der Hermann Hesse Realschule

1891 war unsere Schule zuerst eine Mittelschule für Mädchen. 24 Jahre später wurde Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte und Naturlehre sowie freiwilliges Französisch eingeführt. Zu dieser Zeit wurden pro Klasse 90 aber auch 110-120 Schülerinnen gezählt. Das Schulgeld für eine Mittelschule betrug 10 DM, zusätzliches freiwilliges Französisch kostete 6 DM (Brot 6 Pfennig/ Monatseinkommen 90 DM). Zunächst war die Töchterschule in der Karlschule untergebracht, später ab 1893 in der Friedrichschule, der heutigen Stadtbücherei. 1914 wurde ein eigenes Gebäude in der Bahnhofstraße 44 bezogen.

Am 9. März 1951 beschloss der Tuttlinger Gemeinderat den Bau eines Schulhausneubaus mit 17 Klassen in zwei Bauabschnitten nach den bereits bestehenden Plänen des Stadtbauamtes, um der permanenten Raumnot der Tuttlinger Schulen Abhilfe zu schaffen.

Schon in den dreißiger Jahren war man bereit gewesen zu bauen, aber der Kriegsausbruch machte damals alle Pläne zunichte. Nach dem Krieg gab es zuerst noch dringlichere Aufgaben, wie die Unterbringung der Flüchtlinge. Außerdem gingen die für den Neubau angesparten 500 000 RM in der Währungsreform verloren. Die Standortfrage des neuen Schulhauses war schnell gelöst. Der Gemeinderat entschied sich bei der Ortsbesichtigung am 15.03.1951 für das Gelände in Haslen neben der Jahnsporthalle.

Am 13. September war es dann soweit. Otto Mühleisen, der damalige Rektor der Mädchenmittelschule, zog feierlich mit 370 Schülerinnen, zehn wissenschaftlichen und vier hauswirtschaftlichen Lehrkräften in das neue Haus ein. Im Jahre 1957 wurde als erste Fremdsprache statt Französisch nun landeseinheitlich an allen weiterführenden Schulen in BaWü Englisch eingeführt. 1960 wurde unter Rektor Hermann Streng zum ersten Mal Jungen die Aufnahme gestattet. Dadurch wuchs die Schülerzahl erneut.

Als 1966 die Mittelschule zur Realschule umbenannt wurde, platzte die Tuttlinger Realschule mit 475 Schülern aus allen Nähten. Der Stadt als Schulträger blieb nichts anderes übrig, als den zweiten Bauabschnitt der Realschule in Angriff zu nehmen. Der damalige Rektor Daugs konnte diesen Anbau 1966 beziehen. Er umfasste zusätzliche Klassenzimmer und zwei Fachräume. Im ersten Jahr musste dieser Anbau mit der Karlschule geteilt werden, aber bereits nach einem Jahr, im Herbst 1967, zog die Karlschule wieder aus und die Realschüler hatten das Gebäude für sich.

1974 wurde die Schulleitung an Rektor Ernst Walter und Konrektor Hermann Spohn übertragen. Die Raumnot blieb, der Schulträger handelte und so wurde im Schulhof ein Pavillon mit zwei Räumen aufgestellt und fünf weitere Klassen wurden in die Schillerschule und die hauswirtschaftliche Berufsschule ausgelagert. Die Neugründungen von Realschulen in Immendingen, Mühlheim und Spaichingen brachten nur geringe Entlastung des Raumproblems in Tuttlingen.

Die Realschule in Tuttlingen war mit 1138 Schülerinnen und Schülern in 38 Klassen nun eine der größten in Baden-Württemberg und es blieb nur noch die Möglichkeit, diese Riesenschule zu teilen und zwei kleinere und überschaubare Schulen zu bilden. Dies geschah im Jahre 1980. Von den zur Debatte stehenden Namen Geschwister-Scholl-Realschule, Anne-Frank-Realschule, Leutenberg-Realschule oder Donaurealschule wurde schließlich der Name Hermann-Hesse Realschule gewählt. In den Jahren 1988 und 1989 wurde die Hermann-Hesse Realschule generalsaniert. Im Frühjahr 1989 konnte das renovierte Haus wieder bezogen werden und im Sommer ging Rektor Walter dann in den wohlverdienten Ruhestand. Zum neuen Schulleiter wurde Karl-Ernst Held ernannt.

Die Schülerzahlen stiegen von Jahr zu Jahr weiter an und im Jahr 2003 hatte die HHRS wieder 630 SchülerInnen in 22 Klassen, die von 38 Lehrkräften unterrichtet wurden. Der Schulträger erkannte die Probleme der Schule und ließ zwei weitere Klassenzimmer, den sogenannten Neubau, errichten. Diese Zimmer wurden 2005 fertiggestellt.

Im Sommer 2007 ging Rektor Held nach 18-jähriger Schulleitertätigkeit in den Ruhestand. Neuen gesellschaftlichen Herausforderungen sieht sich der neue Schulleiter der HHRS, Thomas Stingl, mit seinem Kollegium nun mehr gegenüber. Ganztägige Betreuungsangebote in offener Angebotsform sollen und wurden eingerichtet. Auch ein Mittagessen an der Schule wurde ermöglicht. 

Mit der Einweihung des neuen Ganztagesgebäudes im Oktober 2013 wurden die räumlichen Voraussetzungen geschaffen, die eine moderne Ganztagesschule mit offenen Betreuungsangeboten ausmacht: Eine Aula für Veranstaltungen und Feste, eine moderne Mensa, eine freundlich gestaltete Schülerbibliothek sowie ansprechende Ruhe- und Freizeitbereiche.

Mit der Schulküche und dem Physikraum wurden im Jahr 2015 weiter Fachräume modernisiert und für die 530 Schülerinnen und Schüler bestmöglich ausgestattet.