< Exkursion in die Tuttlinger Jugendkunstschule ZEBRA
20.05.2020 12:50 Alter: 10 days

Auch bei den Prüfungen herrscht Ausnahmezustand


Heute starteten an den Realschulen Baden-Württembergs die Abschlussprüfungen. Natürlich galt es auch hier im Hinblick auf die Corona-Pandemie einige Vorkehrungen zu treffen und weitaus mehr Regeln einzuhalten als sonst schon üblich.

Schon der Ort war ein anderer als in den Jahren zuvor. Kraft und Ausdauer wurde von unserem Hausmeister, Herrn Leibinger, mit seinem Team verlangt. Bereits am Montag wurden Tische und Stühle in die Stadionhalle transportiert. Nur hier konnte für alle Prüflinge der Mindestabstand von 1,5m auch wirklich eingehalten werden. Penibel wurden am Dienstag Tische, Stühle und sämtliche Prüfungsutensilien desinfiziert. Unsere Konrektorin, Frau Speck, plante alles ganz genau: Die Prüflinge der Hermann-Hesse-Realschule fanden sich bereits zwischen 7.15 und 7.30 Uhr an vier unterschiedlichen Eingängen vor der Stadionhalle ein – neben ihrem Material und einer Vesperbox natürlich mit Mundschutz ausgestattet. Gleich am jeweiligen Eingang desinfizierte sich jeder der 59 Prüflinge die Hände. 

Prüfung mal anders, kann man da nur sagen. Eines war jedoch identisch mit den Jahren zuvor – gestartet wird obligatorisch mit dem Fach Deutsch. Als um Punkt 8.00 Uhr die Prüfungszeit begann, hatten die Schülerinnen und Schüler die Wahl zwischen vier Aufgaben.

Bei der Textbeschreibung Lyrik  befassten sich zwei Prüflinge mit dem Gedicht „Reklame“ von Joachim Ringelnatz.

Der Prosatext wurde von nur einem Schüler, der die Kurzgeschichte „Wenn Schule 'Schule macht'“ von Hajo Frerich untersuchte, gewählt.

Mit dem Rahmenthema „Herausforderung Digitalisierung“ befassten sich alle Schüler/innen im zehnten Schuljahr – Texte wurden gesammelt, Grafiken ausgewertet und jede Menge Sachkenntnis dazugewonnen. Heute galt es nun, einen Vortrag über die Digitalisierung an Schulen zu schreiben. Diese Prüfungsaufgabe wählten vier Schüler/innen.

Aber die beliebteste Aufgabe unter den Prüflingen war abermals die produktive Schreibaufgabe zur Lektüre, welche in diesem Jahr „No und ich“ von Delphine de Vigan war.

In der Lektüre versucht die 13-jährige, hochbegabte Lou Bertignac, die Welt zu verbessern, indem sie einer obdachlosen jungen Frau namens No ein normales Leben schenken will. Sie überredet ihre Eltern, die Achtzehnjährige, die mitten in Paris auf der Straße lebt, bei sich aufzunehmen. Zuerst scheint es so, als würde Lous Plan aufgeben, da No Arbeit findet und sich sichtlich erholt. Doch allmählich geht es wieder bergab mit No – sie konsumiert zu viel Alkohol und Medikamente, hat Probleme bei der Arbeit und fliegt schließlich bei Lous Familie hinaus. Auch der Unterschlupf bei Lous Klassenkameraden Lucas konnte nur vorübergehend Abhilfe schaffen. Lou ist schließlich sogar bereit, mit No abzuhauen, um diese nicht ihrem Schicksal zu überlassen. Doch als die beiden Mädchen bereits am Bahnhof sind , lässt No Lou unbemerkt zurück. So muss Lou am Ende schmerzlich lernen, dass man manche Dinge im Leben nicht ändern kann, auch wenn man sich noch so sehr anstrengt. Die 52 Zehntklässler/innen, die diese Aufgabe wählten, mussten in der Prüfung eine Leerstelle füllen und einen inneren Monolog der Protagonistin Lou verfassen. „Sind wir wirklich so klein, dass wir nichts ausrichten können? Ist es denn wirklich so, dass ich nichts bewirkt habe?..." Darüber und natürlich auch zu vielen weiteren Aspekten musste sich Lou Gedanke machen.

Nun ist die erste Prüfung geschafft - kommenden Montag folgt Mathematik und am Mittwoch noch Englisch.